Vierte Freude: Anbetung durch die Weisen

Das Ereignis der Anbetung des neugeborenen Jesus durch die heiligen Könige, auch Weisen aus dem Morgenland genannt, ist nicht nur die nächste Freude Mariens, sondern gehört längst zum Kirchenjahr und wird am 6. Januar als Fest der Erscheinung des Herrn gefeiert.

 Während wir in der Weihnachtszeit „ G o t t e s  Weg zum Menschen“ gefeiert haben, wie das Wilfried Stinissen OCD bezeichnet, zeigt das Fest Epiphanie am 6. Januar „den Weg des M e n s c h e n  zu Gott. Es reicht nicht aus, dass Gott zum Menschen kommt, sondern der Mensch muss zu Gott umkehren und zu Ihm kommen. Gott hat dem Menschen die Freiheit geschenkt, daher will Er ihn auch nur dann treffen, wenn der Mensch das will“. (W. Stinissen OCD).

 Die Tatsache, dass das Wort Gottes sich den Heiden, vertreten durch die hl. Drei Könige offenbart hat, weist auf die Allgemeingültigkeit der göttlichen Offenbarung, auf die Universalität der Kirche hin. Die frohe Botschaft, die Christus bringt, ist also nicht nur für das auserwählte Volk gedacht, sondern für alle, ohne Ausnahme, für Reiche und Arme, für einfache Hirten und Weisen.

 Warum verdient das Verhalten der Weisen, die in Bethlehem angekommen sind, unsere besondere Aufmerksamkeit, warum werden sie überhaupt so genannt und worauf beruhte ihre Weisheit?

 Sehr schön spricht darüber Pater Bronisław Mokrzycki SJ in seinem Buch „Da bin ich“, daher möchte ich hier seine Worte zitieren : „Mit Sicherheit waren es Menschen, die ein hohes Ansehen hatten, Menschen mit viel Reichtum und Macht. Sie waren aber auch wirkliche Gelehrte, wovon die Tatsache zeugt, dass sie die Wahrheit suchten, Zeichen lasen und sie zu deuten versuchten.  

 Jedoch nicht nur darin lag ihre Weisheit. Die Weisheit der heidnischen Könige zeigte sich vor allem darin, dass sie die Gottes Offenbarung mit tiefem Glauben und mit offenem Herzen annahmen. Es genügte ihnen lediglich ein kleiner Funke, um ihn durch den Glauben zu einem großen Feuer des Gehorsams und der Tat zu entfachen.

 Nachdem sie das Zeichen der göttlichen Offenbarung gesehen und in ihm „den Stern des Königs der Juden“ (Mt 2, 2-3) erkannt hatten, den sie anbeten wollten, machten sie sich auf den Weg, was ein schwieriges Unterfangen war. Sie ließen sich demütig von dem Stern leiten, überstanden unterwegs viele Schwierigkeiten und Prüfungen des Glaubens und gelangen endlich zum armen Stall von Bethlehem, wo sie ein kleines Kind in der Krippe fanden. Sie suchten einen König und fanden nur Alltägliches und Armut ! Sie haben jedoch keinen Moment in ihrem Glauben gezweifelt.

 Hier erinnern wir uns wieder an die Worte des heiligen Augustinus: „Etwas anderes haben sie gesehen und etwas anderes verstanden“. Im neugeborenen Kind haben sie im Glauben Gott erkannt - den König der Welt - und  sind vor ihm niedergefallen, um ihn anzubeten. Das ist Glaube ! Das ist Weisheit ! Und so ist auch die Größe des Menschen, sich vor Gott nieder zu knien, Ihn zu verehren und anzubeten. In ihrer Glaubenshaltung wurden die Weisen den armen Hirten ähnlich. Es ist also kein Zufall, dass den neugeborenen Erlöser gemeinsam sowohl einfache Menschen, als auch große Könige begrüßten. Jean Guitton sagt dazu: „Solange bei dem Neugeborenen eine Schar einfacher Seelen und einige große Geister verbleiben, so lange geht das Wesentliche nicht verloren“.

 Beim Betrachten verschiedener Aspekte der Weisheit der heiligen drei Könige lenkt W. Stinissen OCD unsere Aufmerksamkeit auf noch ein weiteres wichtiges Kennzeichen ihres Handelns, das auch wir für unseren Glaubensweg übernehmen sollten. Die Reaktion der Weisen ermutigt dazu, „dass wir  s o f o r t   a u f z u b r e c h e n , sobald Gott ein Zeichen gibt. Genau in dem Augenblick, als die Weisen begriffen hatten, dass dieses nicht alltägliche Zeichen des Sterns, das sie gesehen hatten, ein Impuls vom Himmel ist , damit sie sich auf den Weg machen sollten, um den unbekannten, neugeborenen König anzubeten, brechen sie wirklich auf. Obwohl die Reise gefährlich ist, hören wir nichts von einem Zögern. Wer würde hier nicht an Abraham denken?

Gott sprach zu ihm: „Zieh weg aus deinem Land und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Da zog Abram weg, wie der Herr ihm sagte“ (Genesis 12, 1 und 4). Und die Schrift fügt hinzu: „Abram war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran fortzog“. Niemals ist man zu alt, um aufzubrechen“.

Und der Autor führt  diesen Gedanken weiter aus und stellt uns die Frage: „ Leiden wir nicht unter einer Art Altersschwäche ? Wie viel Verkalkung und Erstarrung in uns, wir verharren im Alten , Bequemen, Gewohnten ! Sind wir nicht einfach tief in uns selbst verschlossen? Ist es nicht endlich an der Zeit aus unserem Land wegzuziehen, wo wir  verschlossen in uns selbst verharren, und dem Stern zu folgen? Oder sind wir vielleicht solche unfähigen Weisen, dass wir den Stern nicht gesehen haben?

Wir alle, die wir uns Christen nennen, w i r  h a b e n  den Stern  g e s e -h e n. Unser Glaube ist der Stern. Warum zögern wir also, um ihm zu folgen? Warum vergeht so viel Zeit zwischen Gottes Einladung und unserer Antwort? Von den sieben Hauptsünden ist die Trägheit die gefährlichste und verhängnisvollste. Sogar der üble Hochmut lässt sich irgendwie kanalisieren und sublimieren und kann Anstoß zum Aufstehen sein. Die Richtung kann man später bestimmen, wenn man schon unterwegs ist. Die Trägheit aber bewegt sich nie. Wir rühren uns einfach nicht von der Stelle und Schluss. Gott ist aber anders. Hinausgehen, aus sich hinauszugehen, das ist Sein Wesen. Er hat das getan, bevor Er noch den Menschen geschaffen hat. In der heiligen Dreifaltigkeit leben Vater, Sohn und Geist im ewigen Sich-Entgegenkommen“. 

Da wir die Anbetung der Weisen aus der Perspektive der Freude Mariens betrachten, versuchen wir uns jetzt vorzustellen, was in ihrem Herzen geschah. Sie war bestimmt sehr glücklich über diese Verehrung ihres Sohnes, weil diese äußeren Zeichen und Gesten auch ihren Mut stärkten. Sie bestätigten nämlich die Wahrheit des Geheimnisses, das sie in ihrem Herzen trug und das so vielen Prüfungen unterworfen war. Durch den Bericht der Hirten von der frohen Botschaft der Engel und jetzt durch die Anbetung der Drei Könige wuchs Marias Glaube. Jetzt war es für sie einfacher zu glauben, dass dieses in Windeln gewickelte Kind, das anderen Kindern so ähnlich sah, wirklich außergewöhnlich, wirklich der verheißene Messias sei.

Maria war die Erste, die Jesus verehrte, die Ihn anbetete, die Erste, weil sie das sofort getan hat, als sie Ihn vom Heiligen Geist empfangen hatte und dies als Seine Mutter und Braut. Und jetzt betete sie Ihn an, zusammen mit Josef, den Hirten und den Weisen. Offensichtlich schaut Gott nicht auf die Person. Daher findet sich an der  Krippe von Bethlehem genug Platz für alle, die Ihn anbeten und Ihm ihre Gabe schenken wollen, aber nicht auf vergoldeten Tabletts sondern in vergoldeten Herzen, weil eben die Gabe eines liebenden und opferbereiten Herzens die wertvollste in Gottes Augen ist, weil Er nur diese Gabe nie ohne unser Einverständnis erhalten kann.

Beten wir mit Maria, der Meisterin der Anbetung und der Kontemplation, und trauen wir Ihr uns selbst und das alles an, was uns bewegt, weil wir durch Ihre Hände uns am schönsten dem Gott selbst anvertrauen. Bitten wir die Unbefleckte Mutter Jesu, dass sie uns bei Ihm das Licht eines unerschütterlichen Glaubens, einer festen Hoffnung und inniger Liebe erflehen möge, ebenso die Gabe der Stärke, damit wir keine Angst bekommen, wenn „der Stern plötzlich verschwindet“ sondern, wie die Weisen, mit Mut Jesu suchen und selbst zum Stern für diejenigen werden, die den Weg in der Dunkelheit verloren haben.