Sechste Freude: Auferstehung Jesu

Obwohl die Evangelisten eine Begegnung Marias mit dem auferstandenen Jesus nicht beschreiben, ist es schwer vorstellbar, dass es solch eine Begegnung nicht geben haben sollte.

Es gab sicherlich eine solche, aber ohne Zeugen und zu persönlich, um darüber berichten zu können. Die Freude Mariens war mit Sicherheit in jeder Hinsicht  unbeschreiblich. Wir können jedoch auf andere Begegnungen schauen und so erkennen, welche Emotionen damit verbunden waren.

Ich zitiere wieder die Beschreibung von Ruth Rees: „ Nach dem Bericht des heiligen Markus kamen am ersten Tag der Woche in aller Frühe Maria aus Magdala, Salome und Maria, die Mutter des Jacobus, zum Grab, um Jesus zu salben. Als sie am Grab ankamen, zeigte es sich, dass jemand, zu ihrer Erleichterung, den schweren Stein vom Eingang des Grabes schon weggewälzt hatte. Sie erschraken, als sie einen jungen Mann, der mit einem weißen Gewand bekleidet war, sahen. Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Einfacher gesagt, als getan: die Frauen waren zu Tode erschrocken. Der Bericht des heiligen Matthäus ist dramatischer, als der des hl. Markus, der schreibt: „Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee. Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden.“ (Mt 28, 2-4)

Können Sie sich diese Szene vorstellen, als diese Frauen, völlig erschrocken, zu den todtraurigen Aposteln gelaufen sind und ihnen erzählt haben, was geschehen ist ?

Kein Wunder, dass die Apostel nicht geglaubt haben, und ihre Nachricht für Hysterie oder Weibergeschwätz gehalten haben. Der Herr ist jedoch zwei Jüngern erschienen, als sie nach Emmaus  gingen.  Aber auch, als diese Jünger nach Jerusalem zurückgekehrt sind und den Aposteln und ihren Freunden über ihre unglaubliche Begegnung mit Jesus erzählt haben, haben sie auch diesem Bericht mit Skepsis zugehört. Jesus ist also allen elf Aposteln erschienen, als sie bei Tisch saßen und tadelte sie für ihren hartnäckigen Unglauben gegenüber dem Zeugnis derer, die Ihm  nach der Auferstehung begegnet waren: „Seht meine Hände und meine Füße an. Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht…Sie staunten und konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte Er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben Ihm ein Stück gebratenen Fisch; Er nahm es und aß es vor ihren Augen (Lk,24, 39. 41-43).

Dann wird Jesus noch 40 Tage lang den Aposteln erscheinen, um sie von Seiner realen Anwesenheit zu überzeugen. Jesus wird erscheinen, aber er wird auch entschwinden, als ob Er sie auf die unsichtbare Anwesenheit in der Zukunft vorbereiten möchte, als ob Er ihre Augen des Glaubens öffnen möchte. Und, wie der ausgezeichnete W. Stinissen schreibt, „wenn Jesus nach vierzig Tagen vor ihren Augen entschwindet, sind sie schon so glaubensstark, dass sie keine äußeren Sinne mehr brauchen, um ihren Herrn zu erkennen“.

Wunderschön ist diese göttliche Strategie des „Helldunkels“, über das Vittorio Messori in seinem Buch „Das Wunder“ schreibt: „Gott hat die Verborgenheit des Helldunkels gewählt; der Allmächtige Schöpfer gibt,  - um die Freiheit Seinen Geschöpfen zu lassen – „ausreichend  Licht, um glauben zu können“ und gleichzeitig lässt immer „irgendwelche Schatten, um zweifeln zu können.

Deswegen verlieren wir nicht den Glauben und geraten  nicht in Panik, wenn der Schmerz des Karfreitags und die Stille des Karsamstags in unserem Leben lange anhalten, manchmal scheinbar ohne Ende. Dass Gott verborgen bleibt und schweigt, bedeutet doch nicht, dass Er aufgehört hat, zu existieren. Bedeutet etwa ein dunkler Novembertag ohne jeglichen Sonnenschein, dass die Sonne nicht da ist und nie mehr  da sein wird ?  Bereitet uns nicht eine größere Freude die Sonne, die nach den regnerischen Herbsttagen und frostigem Winter aufgeht, als die, die uns an jedem Sommermorgen begrüßt ?

Und weiter zitiere ich Stinissen: „Ja, es geht darum, um den Herrn zu erkennen. Er kommt zu uns in verschiedener Gestalt, aber immer verborgen. Er kommt zu uns in der Eucharistie, im Wort Gottes, in den Armen und Kleinen, in den Alltagsereignissen und den Lebensumständen. Wer scharfe Augen hat, wird Ihn erkennen. Wer sich im Glauben nicht eingeübt hat, sieht nur den grauen Alltag. Ist es etwa nicht so, dass dasselbe Ereignis bei einem Menschen Verbitterung hervorruft und zum Selbstmord führt, während es bei einem anderen der Anstoß zur Umkehr ist ? Der eine sieht eine Erscheinung, wie die Apostel, als Jesus über den See ging (Mk 6, 49); der andere sagt, wie Johannes: „Es ist der Herr ! (Joh 21, 7). Die Augen des Glaubens müssen immer schärfer werden.

Der Christ hat nicht nur die äußeren Sinne, er hat auch einen inneren Sinn für den Glauben. Hierdurch kann er die Anwesenheit Gottes immer und überall spüren. Dank diesem inneren Sinn weiß er, dass die Liebe Gottes ihn umfasst und durchdringt. Er weiß, dass er immer in einem Meer von Licht und  Liebe weilt. (…) Das größte menschliche Leiden – die Einsamkeit – wurde endgültig besiegt. Kein Christ darf sagen, dass er einsam ist. Selbstverständlich kann er sich ab und zu einsam fühlen, aber er weiß, dass das eine Täuschung ist und nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Und die Wirklichkeit ist, dass Christus bei uns ist alle Tage bis zum Ende der Welt .“ (Mt 28, 20).

Lassen wir uns also von der Freude des Ostersonntags anstecken, weil Christus wirklich auferstanden ist ! Diese Euphorie der Freude, an der wir teilhaben sollen, gibt sehr gut der Text von Pater B. Mokrzycki SJ wieder:

„ Und es ist geschehen! Über der Welt ist die Sonne aufgegangen! Die braune Erde ist wieder grün geworden, die ganze Natur ist wieder aufgelebt – der Frühling ist angebrochen, die größte Hoffnung ist in Erfüllung gegangen. Christus ist auferstanden! Sein Grab ist leer! „Freuet euch schon, ihr Engelscharen im Himmel! Freuet euch, ihr Diener Gottes! Lasset die Glocken läuten, um die Erlösung zu verkünden, wenn ein so großer König Seinen Sieg feiert! (…) Im leidenden und auferstandenen Christus wurde die die ganze Wirklichkeit umfassende Wende des Pascha erfüllt - im Kosmos, der Erde und vor allem im Menschen. In Ihm sind wir vom Tode zum Leben übergegangen, aus dem Land des Todes (also der Sünde) ins Paradies und wir haben die verlorene Würde der Kinder Gottes wieder gewonnen. Und eben das ist der Grund für die große Freude der ganzen Schöpfung – der Engel, der Kirche und der ganzen Welt, wie wir im Exsultet singen (…). Das Pascha Christi ist der endgültige Sieg über die Sünde und damit über jegliche Finsternis und Trauer.

Deswegen ist die Freude des Ostersonntags eine objektive Freude, die davon unabhängig ist, was wir auf der individuellen, gesellschaftlichen oder weltumfassenden Ebene erleben. Diese Freude kommt vom Vater des Lichtes – von Gott, der immer ist und der immer die Liebe ist. Uns wird es überlassen, diese Freude anzunehmen (weil das eine Gabe ist!), also das Pascha des Herrn anzunehmen und es zum eigenen Pascha werden lassen – also zu unserem Übergang vom Zustand des Todes (der Sünde) zum Leben in der Gnade Gottes.“

Maria, erbitte für uns die Freude, die Du am Ostersonntag empfunden hast und erflehe für uns das tiefe Verständnis für den Sinn des Kreuzes und dafür, dass kein Karfreitag ewig dauert, weil das letzte Wort immer dem Leben und der Liebe gehört !

Du, Braut des Heiligen Geistes, erbitte für uns die Gabe der Frömmigkeit, also diese Fähigkeit der Seele, die in Gott den unendlich liebenden Vater sieht und uns in Begeisterung für das Gebet und alles, was dem Eins-Sein mit Ihm dient, entbrennen lässt.