Die letzte Freude Mariens, die Freude der Aufnahme in den Himmel und dann der Krönung ist gleichzeitig der Höhepunkt Ihrer Erhöhung, die schon im Augenblick ihrer unbefleckten Empfängnis und Mitwirkung bei der Verkündigung angefangen hat.
Jetzt schon wird Maria in der Herrlichkeit des Himmels Gott für das Große, das der Mächtige an ihr getan hat, danken und uns dazu drängen, dass wir nach Ihrem Vorbild Gott unser ständiges „Fiat“ in unserem Leben schenken.
Maria, die schon auf der Erde auf eine besondere Art und Weise am Geheimnis der Erlösung teilgenommen hat, wird es jetzt vom Himmel aus noch wirksamer tun.
Als diejenige, die die Fülle des Menschseins erreicht hat und mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden ist, hat sie auch den Höhepunkt der eschatologischen Wirklichkeit der Kirche erlangt, nach dem jeder von uns streben sollte. So wie Maria sind auch wir nach dem irdischen Pilgerweg zum neuen Leben in einer neuen Welt, wo es keinen Schmerz und keine Tränen mehr gibt, eingeladen.
Maria erfüllt als erste den Herzenswunsch Jesu: „Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin“. (Joh 17, 24) und sie wartet jetzt mit Jesus auf uns.
Die königliche Herrschaft Mariens vom Himmel aus bedeutet Herrschaft des Herzens, mit Liebe und Barmherzigkeit. Vom Himmel aus in der Nähe Gottes versteht Sie noch besser unsere Nöte, leidet noch mehr mit uns und als die Mutter von der immerwährenden Hilfe hilft uns noch wirksamer. Sie sendet uns Gnaden wie einen „Rosenregen“.
In dieser einmaligen Erhöhung Mariens kann man nicht die Erhöhung der Weiblichkeit selbst übersehen. Maria war doch eine Frau und auch dies ist eine besondere Botschaft für uns.
Um tiefer auf dieses Aspekt einzugehen, weise ich auf den Text von Pater Jacek Krzysztofowicz OP hin aus seinem Buch „Als Mann und Frau hat Er uns geschaffen – ging es nicht einfacher?“: Welcher Platz in der Schöpfung wurde für die Frau bestimmt? Die Frau ist Krönung der Schöpfung. Es ist doch einleuchtend: Gott erschafft zuerst einfache Strukturen und dann immer vollkommenere, immer schönere. Zuerst gibt es Licht, Finsternis, Erde… Dann Pflanzen, Tiere, schließlich einen Mann. Und die Frau wurde ganz am Schluss erschaffen. Gott geht so vor – würde ich es so humorvoll ausdrücken – als ob Er erst lernen würde, als ob Er Schlussfolgerungen aus vorhergehenden Werken ziehen würde. Er stellt die Frau ganz hoch auf den Gipfel, am nächsten zu sich selbst. (…) Eva – das ist das letzte Werk Gottes. Sie ist Ihm am nächsten, also wohl auch am ähnlichsten. In Eva wird das Bild Gottes am vollkommensten offenbart .“ Gott hat Eva irgendwie mehr von Seinem Wesen abgegeben und sie dadurch geheimnisvoller, schöner, zärtlicher, sanfter und sensibler gemacht.
Es scheint, dass die Berufung zur Liebe sichtbarer in den Herzen der Frauen als der Männer ist. Sehr gut gibt das Jo Croissant in ihrem ausgezeichneten Buch wieder: „Die priesterliche Frau oder das Priestertum des Herzens“: „Tatsächlich ist Liebe in der der Frau erteilten Gnade mit enthalten, während sie von den Männern eigens verlangt wird, was der Brief an die Epheser zeigt: „Ihr Männer, liebt eure Frauen“ (Eph, 5, 25). Den Frauen wurde niemals gesagt: „Liebt eure Ehemänner“, das ist einfach natürlich. Eine Frau ist Liebe schon in ihrer Veranlagung, sie ist immer da, immer anwesend, immer wartend. Das Herz einer Frau ist bodenlos und kann unbegrenzt erfüllt werden (…)“
Pater Joachim Badeni unterstreicht auch in seinem Buch „Die Frau – Gottes Geheimnis“ dieses Anderssein der Frau: „Man kann in verschiedenen physischen Phänomenen die weiblichen Wurzeln ausfindig machen und die Frau als solche in der Welt sehen. Ich ziehe es aber vor, die Frau im Licht der Weisheit Gottes zu sehen als ein besonderes Wesen mit metaphysischem Charakter mit wohl größerer Tiefe als der Mann“:
Stasi Eldredge – Autorin des in Polen bekannten Buches „Weißt du nicht, wie schön du bist?“ (Enthüllung des Geheimnisses einer Frauenseele) schreibt so über die Rolle der Frau im Plan Gottes:
„ (…) im Letzten lädt jede Frau uns ein, das Herz Gottes kennen zu lernen. Sie will uns zeigen, dass Gott barmherzig ist, dass Er zärtlich und gut ist, dass Gott sich nach uns sehnt – Er will, dass wir Ihn kennen lernen und Er will uns kennen lernen. Eine Frau ermutigt uns zu der Überzeugung, dass Gott gut, unergründlich, huldvoll und anziehend ist. Einfach hinreissend“.
Und das letzte Zitat aus einem ganz neuen und sehr schönen Buch von Pater Bartlomiej Kucharski unter dem Titel: „Frauen der Barmherzigkeit Gottes“:
„Ich habe entdeckt, dass die Seele der Frau ein sehr feines Instrument ist, auf dem der Heilige Geist unglaublich subtile Melodien spielt. Durch das Hineinhören in diese Melodien kann man die größten Geheimnisse Gottes kennen lernen“.
Richtig bezaubernd werden wir vor allem in der Schule Mariens, an Ihrem Unbefleckten Herzen, weil vom reinen Herzen unsere wahre Schönheit und faszinierende Ausstrahlung ausgehen. Die ganze Kirche ist die Braut Gottes selbst, aber einer Frau fällt es leichter als einem Mann sich völlig mit dieser Rolle zu identifizieren. Seien wir uns dessen immer bewusst und versuchen wir diesem Bild zu entsprechen, um den göttlichen Bräutigam von äußeren besonders aber inneren Schönheit zu entzücken. Dann werden auch Männer uns anders wahrnehmen und sie werden von uns angezogen sein, aber uns nicht lüstern begehren.
Es ist gut, dass in letzter Zeit so viele gute Veröffentlichungen erschienen sind, die die wahre Würde und die eigentliche Schönheit der Frau aufzeigen. Es wäre schön, wenn jede Frau mindestens einige dieser Bücher lesen würde und vor allem die frustrierten Feministinnen, die wahrscheinlich nicht wissen, wer sie sind.
Maria, Mutter der schönen Liebe und Mutter der Barmherzigkeit lehre uns dieses priesterliche Herz, das mit der reinen, zärtlichen, innigen und mitfühlenden Liebe liebt, damit wir das Bild der Barmherzigkeit in uns tragen und eine Zivilisation der Liebe aufbauen, zu der Johannes Paul II so oft aufrief.
Ein wahrhaft liebendes Herz kann nur durch eine innige Beziehung mit Gott und in tiefer Ehrfurcht gegenüber Seiner Majestät geformt werden. Erbitte uns, Maria, die Gabe der Gottesfurcht, durch die wir unter deinen und Gottes Augen, unsere Herzen erheben können und so Heilung unserer menschlichen Natur erlangen. Amen.